XI. Weltmeisterschaften der U18

Die deutsche U18 gewann zweimal Gold, einmal Silber und zwei Bronzemedaillen

„Die XI. Weltmeisterschaften der U18 2015 in Speichersdorf sind Geschichte.“ Mit diesen Worten verabschiedete der DKBC-Präsident Jürgen Franke auf der Abschlussveranstaltung die jungen Sportler aus 13 Nationen, die an fünf Wettkampftagen elf Weltmeister kürten.

Aus deutscher Sicht war das Auftreten in den Mannschaftswettbewerben und in den Spezialdisziplinen Tandem sowie Sprint erfreulich, auch wenn der einzige medaillenlose letzte Wettkampftag die Stimmung an einem sonnigen Mittwochnachmittag den Antritt zur Heimreise doch etwas vermieste.

In beiden Teamkonkurrenzen bestätigte die deutsche Mannschaft ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze. In der U18 weiblich bot das Gastgeber-Team in der Besetzung Alena Bimber, Anne Tonat, Bianca Zimmermann und Raphaela Dietl einen beherzten Kampf bis zum Schluss und lag nach der Einwechslung von Jennifer Petrik zwischenzeitlich sogar in Führung. Auf der Schlussbahn griff die Sanderin Dietl die direkt neben ihr spielende führende tschechische Schlussspielerin Nikola Portysova noch einmal an, der Rückstand schmolz bis auf zehn Kegel nach 10 Wurf. Doch dann zog der neue Weltmeister aus dem Nachbarland davon und auf der Außenbahn auch noch die Serbinnen vorbei. Bronze vor ausverkauftem Haus, der Start in die Titelkämpfe war mehr als gelungen. Riesenfreude auch bei den Mädchen, die von Margit Welker und Anke Ruhl betreut wurden.

Tags darauf ging die komplett neu zusammengestellte deutsche U18 männlich-Mannschaft als Titelverteidiger ins Rennen. Eine ziemliche Bürde ohnehin und das Trainerteam entschloss sich auch noch darüber hinaus, ins Risiko zu gehen. Der Rudolstädter Daniel Barth, der Jüngste im Team, wurde als Startspieler nominiert, weil die anderen Akteure im Team auf den anderen Positionen besser aufgehoben schienen. Der 16-Jährige ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, selbst die Ankündigung von Christoph Kaiser durch den Hallensprecher beim Einspielen, beirrte ihn nicht in der Konzentration. 604 Kegel waren eine klasse Hausnummer und läuteten ein Duell ein, dass die Fans von den Sitzen reißen sollte. Denn nur Domagoi Bradaric (605) war besser als Barth. Schnell entspann sich ein dramatischer Zweikampf zwischen dem bärenstarken kroatischen Team und dem Gastgeber-Quartett, das von Werner Buchs und Jan Koschinsky betreut wurde. Das deutsche Team wuchs dabei – wie die spätere Einzelkonkurrenz zeigen sollte – über sich hinaus, allen voran Marius Bäurle aus Bobingen. Auf 41 Kegel war Kroatien nämlich nach Durchgang 2 doch schon davongezogen, weil gegen die 637 Kegel von Marin Rosandic der Breitengüßbacher Christoph Kaiser nur 591 Kegel setzen konnte. Doch Bäurle fand sofort ins Spiel und blieb mit 661 Kegeln nur acht unter dem Weltrekord. Er selbst realisierte dies erst nach dem Spiel, hatte aber das deutsche Team sogar in Führung gebracht. Hinter den beiden führenden Mannschaften klaffte bereits eine Lücke von fast 100 Kegeln. Die Mission Titelverteidigung war schon jetzt aufgegangen, auch wenn es am Ende nach den 592 Kegeln des Pfälzers Nico Zschuppe „nur“ Silber wurde. Das kroatische Quartett spielte letztlich in einer anderen Liga, wurde aber vom deutschen Team zu einem neuen Weltrekord mit 2483 Kegeln getrieben. Auch die deutsche Mannschaft blieb nur knapp unter der alten Bestleistung von 2473 (Dettenheim 2009), wo in zwei Jahren auch die nächsten Titelkämpfe stattfinden werden.

Nachdem zuvor schon beim U14-Einzelweltpokal kein Tag ohne deutsche Medaille vergangen war, setzte sich der Medaillenreigen nahtlos bei der U18-Konkurrenz fort. Nach den Team-Wettbewerben wurden die Starter für die Spezialdisziplinen ausgesucht. Alena Bimber und Bianca Zimmermann, die beide das Einzelfinale erreichten, gingen in der Tandem-Konkurrenz an den Start. Bei den Jungen, bei denen sogar alle vier Teamspieler im Einzelfinale standen (der „schlechteste“ war Christoph Kaiser als 14.), fiel die Wahl auf Marius Bäurle und Nico Zschuppe. Die beiden hatten gleich ein Hammerlos mit Kroatien, auch wenn Werner Buchs im Vorfeld betonte: „Diese Spezialwettbewerbe laufen ganz anders, die Chancen sind da.“ Doch Nico Zschuppe noch Marius Bäurle verschliefen die erste Bahn komplett und nach dem Sudden Victory (13:16) war der Wettbewerb schneller vorbei als geplant. Aus in Runde 1 aber immerhin gegen die Mannschaftsweltmeister Domagoi Bradaric und Marin Rosandic, die am Ende hinter dem siegreichen serbischen Duo Sebastian Molnar/Marko Antic Silber holten.

Bianca Zimmermann aus Önsbach und die Pirmasenserin Alena Bimber hingegen legten einen Siegeszug hin, der nicht zu stoppen war. Das erste Gold für die deutsche Mannschaft im Tandem weiblich war die Krönung einer Klasseabstimmung beider. Es zahlte sich aus sich, dass der Tandemwettbewerb in den Trainingseinheiten am Ende fast immer auf dem Plan stand, sodass die Abstimmung im Duo sich nicht erst – wie früher oft zu sehen – im Laufe der Konkurrenz entwickelte, sondern sofort griff. Der Medaillensatz war komplett, die Gastgeber mit Gold, Silber und Bronze so richtig in Stimmung für die weiteren Entscheidungen.

Glückliche Gesichter gab es vor den Wettbewerben im Tandem Mixed und im Sprint vor allem beim Giperslebener Paul Sommer, Oskar Huth aus Hohnstädt und der Münchnerin Tanja Bayer. Das Trio kam im Teamwettbewerb nicht zum Einsatz, gab aber da alles schon für die Mannschaft: Bayer und Huth von der Tribüne aus und Sommer nah der Mannschaft, weil er immer mit einem Einsatz rechnen musste. Der endlos scheinende Wettkampfplan über fast zwölf Stunden kulminierte im Halbfinale der Tandem Mixed-Konkurrenz, als die Rattelsdorferin Anne Tonat und Paul Sommer um den Einzug ins Finale kämpften. Tonat war ebenso überglücklich über den Einsatz, hatte sie doch ihre zweite Bahn im Team komplett in den Sand gesetzt. Das deutsche Duo bot gegen Lukac Hermina/Marko Antic aus Serbien Widerstand bis zur letzten Kugel. Es blieb bei Bronze, die von den Fans ebenso frenetisch wie ein Titel gefeiert wurde. Vor allem aber die „Sommer“-Zeit sollte noch lange nicht zu Ende sein.

Nahtlos an die Tandem Mixed-Entscheidung schloss sich namlich die Entscheidung im Sprint an. Die erste Runde dämpfte zwar etwas die Jubelstimmung auf den Rängen, denn für Raphaela Dietl und Jennifer Petrik aus Regensburg kam das frühe Aus. Lediglich Tanja Bayer konnte sich durchsetzen und dem Traum von einer Medaille eine Runde länger folgen, ehe auch dieser vorzeitig platzte. Bei den Jungen standen durch die Ergebnisse der Vorjahre nur zwei Plätze zur Verfügung. Die Wahl war einfach, weil das Trainerteam den vier Einzelfinalisten am Tag darauf Schonung verordnete. Die Wahl hätte aber ohnehin nicht besser getroffen werden können. Die Konkurrenz stand zunächst im Zeichen von Oskar Huth. Der 17-Jährige zauberte in den ersten beiden Runden 218 und 197 Kegel auf die Bahnen und meisterte die Hürden mit souveränen 2:0-Erfolgen. Im Sprint ist das eher die Ausnahme: In der Konkurrenz gab es insgesamt dreimal einen Sudden Victory auf allen Bahnen – sozusagen das Sahnehäubchen in dieser hinreißenden, dynamischen und packenden Disziplin. Im DKBC-Livestream, dem ersten überhaupt bei einer U18-WM, verneigte sich der Kommentator vor Huths Leistungen: „Man soll nicht mit Namen spielen. Aber vor diesem Oskar ziehe ich gerne meinen Hut.“ Sprint aber kann gnadenlos sein. Niemals baut man sich eine Sicherheit auf. Ein klarer Satzgewinn bringt genauso nur eine 1:0-Führung, wie ein klarer Rückstand alles offenlässt. Dazu werden Rückstände in die Vollen wenig verziehen, der Druck ist immens, die Chancen zur Korrektur schnell aufgebraucht. Huth bekam dies im Viertelfinale zu spüren und schied aus: „So nah vor einer Medaille, das tut weh, sehr weh.“ Verlegen suchte er die Tränen zu verhindern. Der Sport kennt viele Gewinner, aber nur wenige Treppchensteiger. Einer davon wurde Paul Sommer, der die Stufen im Sturm bis oben erklomm. Bronze hatte er vom Mttag schon sicher, stand im Interview zwischendurch mit Anne Tonat schon seinen Mann und blieb auch im Sprint nervenstark. Und das gleich in der ersten Runde: Der Ungar Attila Nemeth hatte aus der Teamkonkurrenz (er wurde nach einer Bahn ausgewechselt) etwas gutzumachen und begann mit 115:100. Doch Sommer glich postwendend ebenso überzeugend aus, übernahm im Sudden Victory die Führung und gab sie auf den drei Wurf in die Vollen nicht mehr aus der Hand. Das letzte Duell mit dem Tschechen Petr Hendrych entwickelte sich zu einem finalen Krimi zweier junger Sportler, die zuvor in Aufholjagden und Sudden-Victory-Entscheidungen ihre Klasse bewiesen hatten. Hendrych war es schließlich auch, der mit 8,8,9 den Medaillentraum von Huth platzen ließ. Er schenkte auch Sommer nichts – 98:91 gewann Sommer, 107:79 Hendrych. Im Sudden Victory begann Sommer, eine 4 von Hendrych im letzten Wurf brachte ein 17:17 und damit den zweiten SV. 15:11 führte Sommer diesmal, Hendrych gelang eine Sechs, doch der Abiturient aus Deutschland schoss alle Neune von der Bahn und holte Gold. Der Jubel im deutschen Lager kannte keine Grenzen. Zum zweiten Mal bei dieser U18-WM erklang die deutsche Nationalhymne. Nach Dennis Annasensl 2014 in Brno in der U23 stellt der deutsche Nachwuchs derzeit alle Titelträger in dieser Disziplin im männlichen Bereich.

Alles war somit auch bereitet für einen perfekten Abschlusstag. Die Sonne zeigte sich früh vor dem Mannschaftshotel in Schlammersdorf. Sechs heiße Eisen hatte das deutsche Team im Feuer, zwölf Medaillen waren im Einzel und in der Kombination zu vergeben. In der Nationenwertung war klar, dass Kroatien noch kräftig nachlegen würde. Das deutsche Team strotzte vor Selbstbewusstsein und war entsprechend entspannt. „Das war heute ein rabenschwarzer Tag, da führt kein Weg vorbei“, pustete Cheftrainer Günther Doleschel ein halbes Dutzend Stunder später durch. „Auch wenn das keinen Abstrich an den gezeigten Leistungen an den Tagen zuvor zulässt“, wie er nachdrücklich hinzufügte. Das Selbstvertrauen auf die Bahn zu bringen, da waren dem deutschen Team an diesem Tag in der Wochenmitte andere einen Schritt voraus. Es war eine Lehrstunde und eine bittere dazu. Marius Bäurle fand erst keine Worte und ließ dann seiner Enttäuschung freien Lauf. Werner Buchs hatte bereits vor dem Wettkampf gesagt: „Marius hat im Team einen super Tag erwischt und ihn voll genutzt. Es ist vermessen, soch eine Leistung noch einmal erwarten zu können. Aber insgesamt bin ich mit meinen Jungs sehr zufrieden.“

Schnell war klar, mit der Einzelentscheidung hatte das deutsche Team an diesem Tag weder bei den Mädchen noch bei den Jungen zu tun. Alena Bimber war gehandicapt in den Wettkampf gestartet. Sie hatte sich am Tag davor eine Magenschleimhautentzündung zugezogen und musste dem Arzt vorgestellt werden. Der gab zwar Entwarnung, aber in der Konkurrenz hatte Bimber dann plötzlich Probleme mit ihrem Finger und musste eine fünfminütige Verletzungspause nehmen. Bianca Zimmermann neben ihr spielte einen soliden Part im Bereich ihrer Möglichkeiten. In der Teamkonkurrenz war sie nur sechs Kegel unter ihrer persönlichen Bestleistung geblieben. Das aber ist nicht alle Tage zu erreichen und schon gar nicht in einer internationalen Konkurrenz mit mehreren Einsätzen über eine Woche. Ihr 7. Platz in der Kombination ist daher eine hervorragende Platzierung.

Bei den Jungen bestätigte Christoph Kaiser sein Ergebnis aus der Teamkonkurrenz. Alle anderen mussten wie eingangs schon angedeutet Federn lassen. Umso bemerkenswerter der Wettkampf von Marius Bäurle, der bis zur letzten Kugel bei der Medaillenvergabe in der Kombination dabei war. Alles zwischen Silber und Blech war vor dem letzten Durchgang möglich. Nur Gold war vergeben an Leo Herceg aus Kroatien, der sich mit Gold im Einzel, in der Kombination und in der Mannschaft zum erfolgreichsten und auch überragenden Akteur dieser U18-WM aufschwang. Dahinter trotzte Bäurle zwei weiteren Kraoten im direkten Fight Bahn an Bahn. Er suchte sein Heil in der Flucht und landete am Ende bei 565 Kegel. Es sollten zwei zu wenig im letzten Räumen sein. Herceg war schon lange auf Gold-Gold-Kurs und allen enteilt, nun aber zogen seine Landsleute Matija Tutnjevic außen um vier Kegel und Domagoj Bradaric um zwei Kegel vorbei. Das gelbe Handtuch, Bäurles Markenzeichen in diesen WM-Tagen hatte er sich als Turban um den Kopf gebunden. Er war der beste Nicht-Kroate der Welt und fand doch kein Platz auf dem Treppchen bei der Siegerehrung. Auch in der Nationenwertung wurde Deutschland am Abschlusstag von den Plätzen an der Sonne verdrängt.  Ein nachdenklicher Abschluss, der dennoch Kraft geben sollte für die zukünftigen Aufgaben, denn das deutsche Team hat seine Position in der Weltspitze auf jeden Fall behalten, ist in allen Disziplinen im Nachwuchs konkurrenzfähig und dies bei Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Alle zwölf eingesetzten Akteure kehrten von der WM mit einer Medaille zurück, Paul Sommer ist mit Gold, Silber (als Ersatzmann im Team) und Bronze erfolgreichster Spieler im deutschen Team, Alena Bimber hat nach dem Doppel-Gold beim Einzelweltpokal 2012 in Bautzen ihre kontinuierliche Entwicklung mit Gold im Tandem und Silber in der Mannschaft erneut unterstrichen. Anne Tonat, die die Nominierung für die WM 2013 nur um Haaresbreite verpasst und im Teamwettbewerb diesmal ausgewechselt werden musste, feierte im Tandem Mixed mit Bronze ein tolles „Comeback“. Oskar Huth spielte sich mit 218 und 197 Kegeln in die Sprintweltklasse, Bianca Zimmermann spielte nah an ihrer Bestleistung im Team, ist Weltmeisterin im Tandem und war Beste in der Einzelkonkurrenz und Kombination. Auf all dem sowie auf den sprichwörtlichen Teamgeist an allen Wettkampftagen und drumherum lässt sich aufbauen.

Vielleicht sehen wir den Einen oder Anderen schon 2016 im kroatischen Novigrad bei der U23-WM wieder, Daniel Barth zum Beispiel kann sogar noch bei der U18-WM 2017 in Dettenheim starten. Die WM-Teilnehmer werden auf jeden Fall die Deutschen Jugend Meisterschaften am Pfingstwochenende in Ludwigshafen-Oggersheim besuchen, einige als Teilnehmer dabei sein. Und allen gilt der uneingesschränkte Beifall für tolle WM-Tage.


 

Zeitplan

Freitag, 8. Mai 2015
16.00 Uhr    Akkreditierung der Nationen
15.00 Uhr    Schiedsrichterbesprechung
17.00 Uhr    Technische Besprechung
20.00 Uhr    Feierliche Eröffnung

Samstag, 9. Mai 2015
08.30 Uhr    Wettbewerb Mannschaft weiblich
anschließend Siegerehrung

Sonntag, 10. Mai 2015
08.30 Uhr    Wettbewerb Mannschaft männlich
anschließend Siegerehrung

Montag, 11. Mai 2015
08.30 Uhr    Wettbewerb Tandem w/m
anschließend Siegerehrung

Dienstag, 12. Mai 2015
08:00 Uhr    Wettbewerb Tandem Mixed
08:00 Uhr    Wettbewerb Einzel Sprint w/m
anschließend Siegerehrungen

Mittwoch, 13. Mai 2015
08:00 Uhr    Wettbewerb Einzel/Kombination weiblich/männlich
anschließend Siegerehrung
anschließend Abschlusszeremonie

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