19.02.2018 • 07:00

Jubilare aus Lauf und Poing – Erwin Siebert und Erwin Zimmermann noch immer agil

Erwin Siebert mit dem Pokal für seinen dritten Platz im Einzel bei den Weltmeisterschaften 1968 in Linz. Foto: privat

Erwin Zimmermann mit Andrea Pichler vom SKK Poing in einer TV-Sendung drei Tage vor seinem Jubiläum. Foto: münchen.tv

Die Mitglieder im Kegeln werden immer älter, das treibt Außenstehenden manch Sorgenfalten auf die Stirn. Ein Blick hinter die Kulissen aber zeigt, dass das in vielerlei Hinsicht auch eine frohe Botschaft sein kann. In der vergangenen Woche feierten beispielsweise zwei langjährige Sportkegler und -funktionäre aus dem mitgliederstärksten Regionalverband runde Jubiläen. Doch eine Gratulationcour muss gut eingetaktet sein, von Ruhestand wollen beide schließlich nichts wissen. Kegeln bis ins hohe Alter, dafür stehen sie auf und neben der Bahn – sehr zum Wohle der gesamten Keglerfamilie.

Am Samstag war die Familie da, direkt am Donnerstag unter anderem ein befreundetes Ehepaar, das Erwin Siebert schon neun Jahre nicht mehr gesehen hatte – extra aus Chemnitz angereist. Aus gutem Grund: Das Mitglied im DKBC-Ehrenrat feierte seinen 80. Am gleichen Tag erhielt 180 Kilometer südlicher Erwin Zimmermann, der Vorsitzende des SKK Poing, zahlreiche Gratulationen zu seinem 70. Zwei langjährige Kegler und Funktionäre, die stellvertretend für eine ganze Generation stehen, die den Kegelsport maßgeblich gestaltet hat und – das ist vielleicht das Besondere beim Spiel auf alle Neune – dies auch weiterhin mit ausgesprochener Agilität tut.

Erwin Siebert, der schon sieben Jahrzehnte kegelt, war fast alles schon einmal in seinem Keglerleben, Erwin Zimmermann, langjähriger internationaler Schiedsrichter der NBC, zeigt inzwischen mit dem Poinger Schulprojekt, wie das Sportkegeln auch in Zeiten von wachsenden – sportlichen wie digitalen – Angeboten für Jugendliche attraktiv gestaltet werden kann und neue Mitglieder für den Verein bringt.

Jammern ist beider Sache nicht, anpacken schon.

Erwin Siebert, der einst zehnjährig als Kegeljunge begann, ist eigentlich gelernter Scherespieler aus Lippstadt, wo er den Kegelclub „Die Streber“ gründete und eine ganze Zeit Presse-, Jugend- und Sportwart in einer Person war. In den 1960er-Jahren wechselte er ins Fränkische auf Asphalt und wurde 1968 in Linz Dritter der Einzelweltmeisterschaften – sein persönlich größter Erfolg als Spieler bei vier Weltmeisterschaften. Als Nationaltrainer feierte Siebert unter anderem 1978 Gold mit den Frauen und 1982 Silber mit den Männern. Er stand 1983 der Junioren-Nationalmannschaft vor, die aus Porec fünf Weltmeistertitel mit nach Hause brachte. Später baute er den Leistungssport im BKSV mit auf und erhielt die DKB-Verdienstnadel in Gold. Eine  Auswahl nur, warum auch lange in Erinnerungen schwelgen. Denn, obwohl er längst Rentner ist, arbeitet er fleißig an der Erweiterung des „Goldenen Buches“,  der Chronik des DKB. 122 Seiten über die Jahre 1933-1945 waren es zuletzt. An seinem Geburtstag fragte ihn ein Gratulant aus Württemberg, wann es denn damit weitergeht. Siebert antwortete, er sei doch schon 80, da brauche es auch mal seine Zeit. Er sagte dies allerdings mit einem Lächeln. Denn zum Glück ist er topfit. Nun ja, die Hüfte wurde im vergangenen Jahr operiert, aber er kann weiter radfahren und auch kegeln. Neulich erst war er mal wieder auf der Bahn. Ein Leistungstest. 93 in die Volle, 54 im Räumen. Nur für sich. Falls es in seinem TSV Lauf mal um den Aufstieg oder ähnlich Wichtiges ginge, stünde er durchaus bereit, übers Jahr nicht mehr. Nur da kann ihm der Zahn der Zeit etwas anhaben.

Auch Erwin Zimmermann könnte die Hände in den Schoss legen, nachdem er die Gelbe und Rote Karte aus seiner Refereehose gezogen und an die Wand genagelt hat. Früher Fußballer und Leichtathlet zog es den gebürtigen Freisinger schließlich zum Kegeln. Er spielte bei Bavaria Pasing in München in der 2. Bundesliga, war Sportdirektor im DKBC und von 1997 bis 2013 internationaler Schiedsrichter, unter anderem bei zwölf Weltmeisterschaften.
1996 kam er nach Poing zurück und baute dort den SKK auf. Elf Aufstiege in 15 Jahren führten die erste Frauenmannschaft 2013 in die 1. Bundesliga und zweimal in die Champions League mit Reisen nach Rumänien 2007 und Kroatien 2016. Dass der sportliche Erfolg nicht immer mit den Umständen vor Ort Schritt hielt, davon zeugt eine Anekdote aus dem Jahr 2012. Da spielte der SKK Poing noch in der 3. Bundesliga. Die auswärtigen Mannschaften fanden kaum den Weg zur Kegelbahn, also fragte er in der Gemeinde an, ob nicht Schilder aufgestellt werden könnten.
Doch auch zu diesem Zeitpunkt gab es schon einen regen Jugendbetreib mit bis zu 50 Heranwachsenden auf der Bahn im Übungsbetrieb. Überhaupt, Zimmermann geht es um Nachhaltigkeit. Deshalb gibt er zwei Stunden in der Wóche Kegelunterricht im Poinger Schulprojekt. Die Kinder werden abgeholt, betreut und an Sport und Verein herangeführt. Das Projekt ist seinen Kinderschuhen inzwischen entwachsen. Es steht jetzt irgendwo zwischen Aufbruch und einer Eliteschule des Kegelsports. Auf jeden Fall ein Leuchtturm in Zeiten, in denen eine große Nachrichtenagentur mit einem Bericht vom sterbenden Kegeln viel Staub aufwirbelte. Hat sich dieser bei manchen Vereinen auch angesammelt, so gewiss nicht in Poing. 2015 erhielt der SKK Poing das DKBC-Gütesiegel für Jugendarbeit im Verband in Bronze.

Von: Michael Hohlfeld
Kategorie: Topmeldungen, LV Bayern, Organisation, Schiedsrichter
Mediales Highlight 6.10.18
Alles auf einmal – Dankeschön.

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Archivinfo

Daten vor 2012 befinden sich noch teilweise noch auf der alten Homepage unter www.alt.dkbc.de